Wie bereits erwähnt, habe ich von 2021 bis 2023 eine Umschulung zum Fachinformatiker für Systemintegration absolviert.
Wie das Leben so spielt, gab es aber natürlich auch hierbei unvorhergesehene Entwicklungen. Beispielsweise hatte ich bis zur Hälfte meiner Umschulung nie irgendwelche Berührungspunkte mit Linux gehabt oder mehr als einen flüchtigen Gedanken daran „verschwendet“.
Heute nutze ich primär Linux Systeme.
Ich arbeite mit Debian und Ubuntu Systemen, zocke privat auf Arch, bzw. CachyOS, betreibe einen kleinen Proxmox-VE Server und nutze an verschiedenen Stellen Raspberry-Pi Einplatinencomputer.
Warum nun Linux?
Um es ganz einfach zu erklären: Weil es mich Kind bleiben lässt.
Bei der ersten Berührung mit Linux kam dieses Gefühl der Kindheit wieder auf:
„Da ist ja nix, nur ein blinkender Cursor, aber wenn ich eine Diskette in das 1541er schiebe und: LOAD"*",8,1 eingebe, dann passiert da auf einmal was.“
Ich gebe etwas ein und es kommt eine Reaktion.
„Der Kasten spricht mit mir“
„Geil!“
Man mag nun (völlig zurecht) einwerfen, dass Windows diese Möglichkeiten ja auch hat.
Natürlich!
Aber für mich fühlt es sich einfach anders an, mein Terminal unter Linux zu öffnen und darin Dinge zu tun.
Jede Terminalverbindung via ssh, jedes cat, jedes grep und jedes ls des Tages fühlen sich nach spielen an. Nach erforschen. Nach Neugier, was passiert, selbst wenn man es weiß.
Und seien wir ehrlich.
Es fühlt sich viel cooler an (und sieht cooler aus) den Inhalt eines Ordners mit ls im Terminal aufzulisten als im Explorer einen Doppelklick auf den selben Ordner zu machen 😅.
Es ist ein ganz anderes Erlebnis, in Windows auf „nach Updates suchen“ zu klicken und zuzusehen wie das System sucht, herunterlädt, installiert und dann zum Neustart auffordert,
oder unter Debian die Paketquellen mit sudo apt update zu aktualisieren, sich im Anschluss mit sudo apt list –upgradable mal durchzulesen für welche Pakete eine Aktualisierung ansteht und dann mit sudo apt upgrade diese zu installieren, wobei man ohne das -y flag auch nochmal nach seiner Bestätigung gefragt wird.
Man hat einfach (zurecht) den Eindruck, das System will förmlich, dass der Nutzer versteht was passiert und sich damit auseinandersetzt. Auch wenn man natürlich nicht immer bei allen Paketen auf Anhieb wissen kann wofür sie im Einzelnen genau zuständig sind, oder gebraucht werden. Linux lässt uns offen, nachzulesen, zu recherchieren und zu entscheiden.
„Update wird heruntergeladen… Update wird installiert… Sie sind auf dem neuesten Stand“
Wer kann ernsthaft von sich behaupten eine Vorstellung zu haben was das heißt?
Wurde wieder ein unerwünschtes AI Feature installiert, dass Oma Trude vor ihrem Laptop im Heim nie wollte, nie brauchte und auch nie brauchen wird?
Aber ich will die Gründe nicht tiefgründiger klingen lassen als sie sind… Ja Linux gibt dem Benutzer mehr Kontrolle und Entscheidungsgewalt aber ein wichtiger Fakt ist und bleibt:
Es fühlt sich cooler an und sieht cooler aus.
Ich bin keineswegs der Meinung, das man diesen Fakt nicht herausstellen darf. Und es disqualifiziert in meinen Augen auch niemand als qualifiziert. Warum nicht?
Wenn man etwas als cool und optisch Ansprechend empfindet, setzt man sich in der logischen Folge auch lieber damit auseinander, als wenn man es als langweilig und unschön wahrnimmt.
Viel Wissen und Verständnis im Umgang mit Linux kommt meiner Erfahrung nach daher, dass man etwas ausprobiert weil man die Idee dahinter cool oder verlockend findet, dabei was zerschießt und dann recherchieren oder kompetentere Menschen um Rat fragen muss um es zu reparieren. Und jedes Mal bleibt ein kleiner Fetzen neun Wissens hängen. Der Lernprozess wird dabei oft nicht einmal bewusst wahrgenommen. Aber irgendwann Wochen später macht man einen Handgriff und realisiert.
„Das konnte ich gerade nur weil mir letztens xyz passiert ist“
Und weil ich dieses Gefühl und diese Art des unbewussten Dazulernens schätze.
Und weil es einem mehr Kontrolle und Entscheidungsgewalt lässt.
Und es sich cool anfühlt und aussieht.
Darum Linux!
